31.7.2022 – 2.8.2022 von Cuxhaven nach Kiel

Sehnsuchts Sonnenuntergang

Nach einer Woche Pause in Hamburg will ich jetzt zum Ausgangshafen dieser Reise, Kiel Stickenhörn zurück kehren.

Das Kartentablet habe ich in Hamburg reparieren lassen können.

Die erste Station ist Brunsbüttel, und zwar der Yachthafen, der direkt hinter der Schleuse in den „Kiel Kanal“ liegt. Die offizielle Namensumbenennung des früheren „Nord-Ostsee-Kanals“ erfreut das Kieler Stadtmarketing.

Auf der Elbe koexistieren große Handelsschiffe mit kleinen Seglern.

Die Segelreise bis Brunsbüttel verläuft die Elbe aufwärts mit der Flut stressfrei. Beim Schleusentor habe ich das Glück, dass bei meiner Ankunft sich gerade die Sportboote in der alten Schleusenkammer versammeln.

Bei meinem ersten Besuch von Brunsbüttel vor 4 Jahren hat es hier nach Schwefel gestunken. Heute rieche ich davon nichts. Vermutlich steht der Wind günstiger, die Raffinerien haben jedenfalls ihren Betrieb noch nicht eingestellt.

Hinter der Schleuse liegt die ZERO im Päckchen neben einer Sirius. Dahinter kommt ein großes Frachtschiff gerade aus der Schleusenkammer.

Am nächsten Morgen geht es unter Motor weiter in Richtung Kiel. Meine hilfreiche Karte vom Kiel Kanal erklärt mir, wie die grün-gelb-roten Signale zu interpretieren sind. An engen Passagen müssen mitunter die großen Handelsschiffe den Gegenverkehr abwarten, während die Sportbootschifffahrt weiter fahren darf.

Die Fahrt ist bei schönem Wetter zu ertragen, aber grundsätzlich relativ langweilig. Gelegentlich kann ich die Genua unterstützend zum Motor verwenden. Die Selbststeuerungsanlage hat am Morgen Startschwierigkeiten, läuft dann aber wieder.

Die Schwebefähre bei Rendsburg ist wieder in Betrieb.

Ich entscheide mich, in dieser Nacht in Rendsburg in der Marina zu übernachten.

Die Sicht vom Wasser aus auf Rendsburg eröffnet nochmal andere Sichten auf die Stadt. Ich kenne Rendsburg von der wunderschönen Nord Art Ausstellung, die mit den alten Industriehallen und der großzügigen Parklandschaft mit wechselnden Ausstellungen jedes Jahr aufs neue ein lohnendes Ausflugsziel ist.

Nicht gerade ein Standardschiff, aber man sieht am Namen, wo mit fossilen Brennstoffen noch richtig viel Geld verdient wird.

Vom Wasser aus sieht man, dass auch im wirtschaftlichen Bereich dort vieles funktionieren muss. Es gibt mehrere Werften, die noch produzieren. Sicherlich gibt es auch hier den nicht vermeidbaren Rückgang an Schiffsindustrie, aber es sieht noch lebendig aus.

Das Anlegen im Yachthafen ist mal wieder schwierig. Ich hatte mir eine Box ausgesucht, wo der Wind von vorne kommt. In die Box würde allerdings auch ein 20 m langes Schiff reinpassen. Ich muss meine schon üppig ausgestatteten Festmacher verlängern, um die Distanz zum hinteren Poller zu überbrücken, um das Schiff sicher fest zu machen. Zum Glück hilft mir jemand vom Steg, der vom Nachbarschiff meine Vorleinen entgegen nimmt, um das Schiff vorne gegen seitwärtiges abdriften zu sichern.

Der Hafen ist wunderbar, zur Altstadt und zum Bahnhof sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Die Hafenmeisterin ist fleißig, das Check-In erfolgt zügig, aber papierhaft und selbst am späten Abend sehe ich die Hafenmeisterin noch fleißig in ihrem Büro mit Listen und Zetteln hantieren.

Am nächsten Tag geht es nochmals unter Motor bis nach Kiel. Unterwegs verabrede ich mich in der Nähe der Schleuse mit Rüdiger von der Initiative OneEarthOneOcean zur Übergabe der von uns während der Fahrt genommenen Wasserproben. Die Wasserproben werden im Labor von One Earth One Ocean auf Microplastik untersucht.

Die Proben haben wir auf der Hinfahrt in industriellen Zonen der Nordsee gesammelt; die Nordsee ist schon jetzt ein großes Industriegebiet gemischt mit Verkehrsstraße und geringen Anteilen geschützten natürlichen Ressourcen. Eigentlich waren die Proben für eine andere Meeresschutzorganisation vorgesehen, die sich dafür interessierte, wieweit im Umfeld dieser Plattformen achtsam mit dem Meereswasser umgegangen wird. Leider gab es hier neben dem angekündigten Interesse keine Beschlusslage, diese Untersuchungen tatsächlich vorzunehmen.

Übergabe unserer Wasserproben an den Laborleiter von One Earth one Ocean Dr. Rüdiger Stöhr

So sind wir sehr froh, dass OEOO wenigstens unsere Wasserpröbchen auf Mikroplastik untersucht, wenngleich anhand der geringen Mengen des entnommenen Meereswassers wohl kaum mit bahnbrechenden Erkenntnissen zu rechnen ist. Insgesamt ist dieser Aspekt unserer Reise etwas zu kurz gekommen, deshalb haben wir darüber auch wenig berichtet.

Heute aber ist der Tag, an dem wir die Proben dem Laborleiter von OEOO übergeben. Ich mach das persönlich, Lars der Mitsegler über die Nordsee ist es zu verdanken, dass diese Aktion überhaupt noch zustande gekommen ist. Vielen Dank Lars!

Die Reise endet unspektakulär am Abend gegen 19.00 Uhr in Kiel Steckenhörn, der Hafen, in dem die Schottland Rundreise Mitte Mai begonnen hat.

Die ZERO im Ausgangs- und Endhafen der Schottland Rundreise in Kiel Steckenhörn.

3. Tag: vom Flemhuder See zur Gieselau Schleuse

Der Flemhuder See öffnet sich vom Nord-Ostsee Kanal. Mit 2 weiteren Seglerbooten fanden wir einen netten Ankerplatz.

Am nächsten Morgen gehts dann weiter auf dem NOK oder international: auf dem Kiel-Canal. Jede Menge große Pötte begleiten uns oder kommen uns entgegen. Schließlich ist der Kiel-Canal die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Hier verkehren mehr Schiffe als auf dem Panama Kanal.

Reisen auf dem Wasser in 2 unterschiedlichen Formen.

Neben einer gewissen Industrieromantik hat das für mich den Vorteil, dass ich endlich das von mir installierte AIS System (automatisches Identifikationssystem von Schiffen) testen kann. Schließlich wollen wir auch nachts oder bei schlechter Sicht wissen, welche Ungeheuer da auf uns zukommen.

Nach einiger Konfigurationstesterei bekomme ich endlich eine Benachrichtigung vom Plotter, einem Ausgabegerät von Schiffspositionen auf Seekarten! Und siehe da, die Monster werden auch auf der Karte angezeigt!

Der Beweis: Die Schiffs-ID, der Name, die Position, die Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung werden angezeigt.

Die Fahrt durch den Kiel-Canal ist auch industriehistorisch interssant. Immerhin gibt es den Kanal seit über 100 Jahren. Viele Brücken für Bahn und PKW überspannen den Kanal. Teilweise sehen sie aus, wie umgelegte Eiffeltürme.

Die Eisenbahnbrücke bei Rendsburg (auch von Büdelsdorf aus zu sehen; vielen Dank für die Korrektur, Frank)

Natürlich gibt es auch neuere Brücken z.b. aus Stahlbeton. Die halten aber nicht länger als die guten alten heavy metal Brücken.

Wir finden in der Gieselau Schleuse, die den Kiel-Canal mit der Eider verbindet, einen zunächst ruhigen romantischen Übernachtunsplatz direkt vor der Schleuse. Die Schleusenanlage ist ein öffentliches Museum für Amtsschimmel. Selten habe ich so viele Verbots- und Gebotsschilder in Amtssprache gesehen wie an dieser Stelle (Das Betreten der Schleuse ist bla bla bla, Abfall nur während der Öffnungszeiten der Schleuse zu entsorgen …).

Die Klappbrücke vor der Gieselau Schleuse.

Der Spaziergang an der Eider ist traumhaft, naja, das Wetter ist immer noch grandios, seit 3 Tagen hat sich am azurblauen Himmel keine Wolke gezeigt.

Abendstimmung an der Eider.